writing
german poetry

a collection of selfwritten german poetry.

geschriebenes aus meiner feder, meist der versuch, meine empfindungen auch in worten zu beschreiben. folgend einige meiner gedichte, geschrieben im zeitraum von 2000 bis 2010, chronologisch aufgeführt.

german poetry
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collection of self written poetry. click the title to read...

2010 2006
grau
ich singe von meinem leben,
spreche in meine glieder,
sortiere gefühle zu gedanken,
ratio, verstand trifft
angst und traurigkeit.
atme ich in die muskeln und
sehnen und fasern
meiner grauen geschichte.
lange fühle ich sie schon rau
auf meiner haut,
fahle gedanken, doch stets
durchblutet,
und wach, wie meine
lebendigen erinnerungen,
stockt mein atem,
als wäre es eine fremde luft
und nur staub
der letzten jahre,
die ich in mich lasse,
altes, vergangenes...
so atme ich das alte auch
wieder heraus aus mir,
staubig wirbeln die partikel
und sticken die luft.
zeit steht...
so fühle ich oft,
und doch altert meine haut,
furchen des schmerzes
und falten der zeit zeigen
sich in meinem gesicht.
ich gebe nicht auf,
auch wenn mir die realität
höhnisch ins gesicht spuckt,
dennoch, ich schaue immer
wieder hinaus,
in das grau
und verschleierte,
in die unklaren tage
meiner kindheit.


leinenweiß

leinenweiß, ein sack,
eine nummer
ersatzwäsche ist hier meine
zweite haut
erhaltung und auslöschung
eines individuums,
ein kampf: sie gegen ihn
werde ich eingelullt,
wie in einen kokon,
wie eine mumie
mit weißem leinenstoff
kaum ein freiheitsgrad
gewährt es mir...
gut, zu wissen, diese sätze
nie zuende gedacht
zu haben,
nicht zu schreien,
eben nur einer nummer zu sein,
in einer krankenakte.
schneeweiß flattern sie
an mir vorbei, so oft schon.
im keller scheint es noch
nicht kalt genug,
die wichtigkeiten in ihren augen
sind nur äußerlichkeiten,
sie suchten nach mir,
doch fanden sie nur die hülle,
leinenweiß.

raureif

ich laufe,

laufe ungehalten
in eine nebelwand,

plötzlich bodenlos
hebe ich ab,

nimmt er mich auf,

lullt mich in sich ein,

in einem glitzern
wie klarer kristall,

wirbelt mich,

tanzt mich auf und ab,

durch die kühle morgenluft

schneller, schneller,
höher getanzt,

und schwindelig gedreht,

verliere ich die orientierung,

den boden unter den füßen,

fühle plötzlich nur leere,

das nichts unter mir.


morbus still

scharfes dumpfes reissen
wie in trance stehe ich
habe ich in meinem Kopf keinen platz
so liege ich schleichend
in der horizontalen
windend
doch der schmerz hält einzug
nichts, wie es ist - wenn er kommt
und alles - wenn er geht
beegende wände
fremde fassade
und hinter glas urarltes holz
und raben, die ich verehre
schmackloses am tage
und unruhen in der nacht
machen mich freireißend
stimmen, gerede, monologe
und inhaltlich so dünn,
wie ihr silbernes haar
die schmerzen zogen aus,
bereit wär ich nun zu gehen
doch niemand lässt mich gehen,
auch nicht mein
stiller begleiter...

ohne fantasie

meine schattenwelt meide ich,
schaue ich den wegschleichenden
wolken nur nach,
hier tägliche normalität
schlürfe ich durch gänge
und mülltonnen meiner erinnerungen,
mühsam die worte suchend
die spuren der unguten jahre
belasten mein gesicht,
fehlende warme farbe
und nicht selten fehlt optimismus
das wirkliche leben?
ich dachte, ich lernte es kennen?
die angst vor dem nächsten tage bleibt, ohne fantasie.

noch immer singt dort draußen
der vogel,
und so quält man sich manchmal
durch das, was man so umgangssprachlich
"leben" nennt
so wird einem lebensfreude
dann injiziert,
damit alles zu ertragen scheint
mein begleiter,
tritt warm aus mir heraus
triefend, in mein gesicht,
rinnend läuft der kalte, kranke saft
an meiner wange hinab
er hält nicht inne
41 grad meiner selbst,
schattenlos zerfallen meine zellen
in der trockenen hirnwüste.

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2009 2002
lebensversuche

ich bin so verzweifelt wach,
alles erneute lebensversuche,
die sich im nichts verirren
so sehe ich mich in anderen
zusammenhängen
und höre so nun schon lange
mein lautes schweigen
dann will ich aufstehen,
mich befreien,
doch bin ich knochenlos
und muskelleer
nichts übrig, was mich trägt,
mich selbst,
nichts mehr.
Die wahrheit ist in den
asphalt gebrannt,
alles lebensversuche
die sich verirrt haben,
sehe ich uns alle
in anderen zusammenhängen
ich bin so wach,
so verzweifelt.

überlebensmaschinerie

ich bin eine maschinerie,

funktioniere nicht mehr allein,

nur schwelende brände,

kein alles bereinigender brand,

der raum für neues schafft,

stattdessen altes,

schmorend und glimmend.

in mir, in meinem kopf,

klopfen maschinen laut im takt

meiner ungleichmäßigen
bewegungen, automatismus
im organismus ohne immunität,

schliesse ich meine
schweren lider,

schliesse meinen mund.

durchbohren mich die stiche
der nadeln täglich,
näht es mich zusammen,

damit ich nichts verliere
von mir, damit ich
nicht zerfalle und untergehe

in dem treibsand meiner
eigenen emotionen.

dort, eine fatamorgana in
meiner hirnwüste,

verschwommen ist es
ein Abbild derer, die mich
nicht hielten.

in einem nicht-zusammenhalt?

eben nur verschwommen,
in der hitze,

ist es eh nur eine sehnsucht

meiner tiefen traurigkeit,

eh nur hirn-gespinnst.

das kleine mädchen steht nicht

unter einem dickichten baum,

geschützt.
doch ihrer ist verdorrt,
verrottet, steht sie dort in
der einöde nur.

steht sie allein dort?
und ist sie denn nicht
zu klein für all das?

meine maschinen rauchen
und grübeln,

ein kampf gegen die aufgabe.

Ein zusammenspiel der
maschinen und jede muss
funktionieren, brach liegen
die maschinen bald,
schwach. brache kraft
in gebrochenen gliedern,

noch immer auch
geschlossene lider,

und wieder, liege ich
in einer integration ihrer...
auch in dieser Welt?

umzäunt von einer
lebensfabrik, rohre transportieren
meine mich im leben haltende
medikation, versorgen
meinen organismus.
mein immunsystem
derweil außerhalb,
innen führt es den kampf
gegen das ICH.

von aussen nach innen
und zurück.

darum lebe ich
und es ist schon lange
tägliche normalität.


an eine alte freundin

mit mühe bricht die sonne ein,
durch fast blinde fenster,
in kalte räume,
versucht sie zu erwärmen...
wände brechen ihr licht
und der staub überall
wird sichtbarer...
im schein der einsamen strahlen
tanzen partikel, altes,
vergangenes.
nur hier könnte ich sein
und doch ist es nur für
diesen einen moment,
nur im jetzt bin ich
und kann deine räume betreten,
in diesem moment spüre ich,
wie die zeit steht in dir - in mir
ich bin dankbar dafür, tief.
deine leere macht dich lebendig
in deiner verlassenheit in mir,
du spiegelst mir leben,
auch wenn du aus gestein
bestehst, in dir trägst du
so viele geschichten, erlebtes.
könnt ich doch in deine zeit
und in dieser bleiben,
wie nichtig wirkt die
meinige daneben,
eine der vielen kurzen leben
der menschheit.
und so rasen sie, die menschen,
an dir vorbei, kennen ihn nicht,
diesen friedlichen und
stillen ort, in dem deren zeit
nicht zählt,
in der nur die zeit als kraft
des daseins bedeutet.


raumgewinn

Ich wünsche weite
einen hinwachsenden raum,
dessen orte ich doch
schon gesehen,
der sich mir wachsend
und wandelnd erschließt,
mich nur notwendig verbirgt
er soll mich zwischenlagern
in der mitte, gegenüber
des himmels,
am äußersten der hölle
mich zusammen nehmen
soll er, mit allem,
was mich rührt,
gezweit mit mir.
nie mehr ewig wollt ich schlafen,
doch fallend muß ich mit,
es schreit mein herz
nach raumgewinn,
bevor es mich ins stumme stößt,
ins land der fremden schatten.

so paßt es,
da ich müde bin,
wie klein ich bin
in dieser welt,
die mich so überragend
übersteht...

soll sie`s nur,
ein teil ist mein.

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2008
2001
realität formlos

zähflüssig gleitet die
verformte realität
durch mich hindurch,
öffne ich, sehe meine
verlorene fassung,
verschleiert, trug, alles lüge,
die mich lebendig sterben lässt,
mich ersticken lässt
an der enge in meinem hals,
luftleer schattet der taumel
und schwindel steigt
mir in’s hirn.
gespiegelter seelentod,
steinert,
doch ist mehr als nur
stille in mir.
HASS,
zu tief unten...
schon hoffnungslos geboren
und getötet gelebt.
scheintotes sein,
einsam und stets in mir,
bin ich lautlos seit ich bin,
nehme ich nicht wahr,
doch meine tränen
sind noch warm
und bin ich doch voll
und aus substanz,
bin ich taub und stumpf
und weiter fließt zähtraurig
die wahrheit ohne fassung
durch mich hindurch.


- Veröffentlicht in einer Gedichtsammlung der "Gesammelten Werke" (Brentano Gesellschaft 2009).

- Vertonung in der Experimentalfassung "realität formlos" (2009).

seelenfenster

das fenster unbeseelt
der überzug gespannt
schwelband auf der haut
ungenannt gehe ich
unbewegt
meine zellen schreiben sich
in den lufleeren himmel
lautlose morde
hinter aschgrauem beton
hart ist der zement
und traurig der asphalt
ungenannt liege ich -
fühllos - tod
nicht ein schatten,
kein mensch
ich höre mich weinen,
da das licht mich
übersah.


schablone

stillstand wie in eis,
nie in worte gekleidetes leid,
repetition deiner selbst,
Im kampfe gegen das sein,
gegen diesen stempel,
der abdruck ihrerseits,
ihres leids,
So gab sie weiter,
diese tiefe kerbe,
die du ritztest,
mit scherben,
in meine arme,
in meine beine.
bist eine schablone,
zeichnest dein leben
auf meine Haut,
auf meine seele,
aus angst um den verlust,
der keiner war,
aus angst um den verlust
einer macht,
die es nicht gab.
las ich in dieser
zeichnung furcht,
furchentief,
ein raster wie auf papier,
papier aus ihrem holze,
geschnitzt, geritzt.
stets mit farben in der hand,
mich bemalt,
doch farblos ich stand.
schablonen zeichneten dein,
ihr sein, nicht mein,
nicht mein wird diese
schablone sein.
repetition schürten angst,
schüren heute
meinen schmerz.
unbekleidetes wort,
im kampfe gegen dich,
unbekleidet blieb ich dann fort.
gegen den abdruck,
den du hinterlässt,
gegen den stempel,
den du setzt.
das ungesagte wort,
fand nicht ein ohr,
fand nicht einen ort,
blieb dort,
furchentief,
wie ein raster auf mir,
wie ein stempel auf papier.


bildausblick

der ausblick in dieses bild,

der zufall seine entstehung ist,

sinnlich linear, im kühlen strich,

im warmen licht bricht der kalte

ton, wie wunderlich ist es,

dass strich um strich des bildes

fragmente bilden,
der bruch in sich nicht die wahrnehmung blendet,

steht ton an ton in einer komposition
meiner empfindung meiner motorik, meiner sicht.


kreislaufabbruch

I.

im gleichen kreislauf,

die nabelschnur als bund,

ungestillt deines saftes,

ungestillt die liebe,

die dir fehlt.

ungestillte stille

in nächten des aktes,

nicht nährend,

zehren,

verzehren nach dem
gesuchten.


II.

das kreuz gebogen,

biegen,

brechen,

richteten nicht mich,

verbogen die seele

in lichtarmer zeit.

ohne blick,

sichtlos,

läßt du mich ohne licht,

ohne sicht,

ungesehen.


III.

verlangsamt steht die zeit,

dein stillstand in mir.

kamen worte einer entfernten

auf schönem Papier,

schien es mir

unbekannt.


IV.

trennt uns geist,

tiefe in uns nicht gleicht,

aus dem lauf der
ungewesenheit

bleibt kälte,

mit nicht mehr als

der leere deines herzens.


von einem wort

selten innenwändig,

von außen genutzter verstand,

oberflächenspannungen in

einer ge-schlechten menschheit,

eine nicht-gesellschaft,

sexualisierend, grenzenlos.

„gesellig“, undifferenziert

gehen kinder wie alte

laut unter die masse.

Nur nach diesem prinzip agiert

entfallen störende emotionen,

nach außen…

nach innen suchend nach

dem anderen, unbekannten,

warmen.

das eigentliche gut.

nichtgespürtes bleibt fremd,

denn selbst die erzeugschaft

genauso entfremdet
vom wichtigsten,

wirklichen, einem gefühl….

ein gefühl welches
menschen einst LIEBE nannten,
zu einer zeit zu der sie
es selbst noch kannten...


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2007 2000
in abwesenheit

die wände flüstern mir leben,
die fenster hauchen
durch zerissenes glas,
kein schritt wagt sich
vor den nächsten,
im knistern des überrestes,
kalter stein,
längst nicht mehr benässt,
klebt noch an den wänden,
ihre haut in fetzen,
überall pellt sie sich ab
und verlässt nie ganz
die kalten wände.
ein ton....?
ein lachen...?

und doch - stille...


konserven

im keller, tief unten
lagern alte konserven
konserven die nicht
von selbst nun imstande
sich zu entledigen alter last

lautlos gemacht
und sicher versiegelt,
spiegelt ihr inneres
grausamkeit wider,
ja, hoch wehten fahnen
am kräftigen mast

bitter schmeckend,
die zungen uns lähmt
gestank, so stechend,
nach aas würd entweichen,
nach angstschweiß und staub
und millionen von leichen
das bild von dem deutschen
uns bitterlich grämt.

doch wär`es denn tödlich,
dies`gift zu ertragen,
zu erkennen, wie schmerzhaft
und schleichend es war?
Zu öffnen konserven,
den blick zu wagen,
in ein finstres kapitel
vergangenheit

unten ist`s dunkel,
im keller der leichen,
lang wird der weg,
so tastend und blind
mit müh`meine hand
nach seiner will greifen,
trotz bitterem gift
und millionen von leichen,
die suche nach wurzeln
an sinn gewinnt.


lebenshunger

wenn der lebenshunger
ausbleibt,

gibt es keinen platz

für die gegenwart und

für die geschichten,

die noch nicht sind.

das aufgehobensein

ist ein gefühl,

kein ort,

ich habe wünsche

und träume

und bin wahrhaftig

ein teil

des vielköpfigen systems

dieser stadt,

kalte und leere räume,

jetzt und noch.


zielverfehlung

meine tränen rollen nach innen,

ich weine tief,

dein unbändiger hass,

zermürbend, selbsttötend,

auf die, die mir mein
hassen nahmen,

durch dich hindurch,

wie ein kalter spieß,

der alles erwischt,

soll er schießen,

durch jede zelle derer,

denen er gebührt,

ihn zu spüren mitten
im herzen,

doch reicht er nicht weiter

als bis in unsere seelen,

tief,

am falschen ort,

verfehlt,

es schmerz.

all poems are written
by adamned.age | h.adam
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